Der Dezember

Der Dezember

Das Jahr wird alt. Hat dünne Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehen. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Erich Kästner „Die Dreizehn Monate“ Atrium Verlag

 

Ich war noch niemals in…(1)

Sonntagnachmittag, zu langweilig um zuhause zu bleiben. Regionalbahn fahren geht sonntags besonders gut, da die zweite Klasse oft genauso leer ist wie die erste, gut in diesen Corona-Zeiten. Mein Ziel ist Verden an der Aller, mit dem Finger auf die Landkarte getippt. Die Landschaft im Norden Niedersachsens, die man aus dem Fenster der Bahn vorbeiziehen sieht, ist lieblich und unspektakulär, sehr beruhigend.

In Verden ist nichts los auf den Straßen, die Leute bleiben wahrscheinlich auch dort am liebsten zuhause. Ein hübsches Städtchen mit Steinhäusern und auch ein paar aus Fachwerk, nicht so mittelalterlich wie Lüneburg oder Lübeck. Mich zieht es zur Aller, nur 10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof. Ein richtiger Fluss, das Wasser fließt sichtbar stark, so dass die wenigen Enten darauf sich treiben lassen und nicht gegenan schwimmen können. Am Ufer gehen auch einige wenige Verdener spazieren und schauen dem Wasser nach, das in die Weser fließen wird.

In der Innenstadt sieht man in der Nähe des imposanten Doms viele Hinweise auf Pferde und die „Reiterstadt“, hübsche Bronzefiguren und Hufeisen auf dem Gehweg. Verden hat seinen Namen verdient und ist einen Ausflug wert, gerade wenn so ein Sonntagnachmittag ziemlich langweilig ist.

Karstadt, my love

Es gibt kaum noch Kaufhäuser in unserer Stadt, gut dass es wenigstens Karstadt noch gibt. Online einkaufen ist zwar super bequem, aber ich bevorzuge vor Ort in allen Abteilungen meine Besorgungen zu machen, ein sinnliches Erlebnis, Fülle, Pracht, Auswahl erwarten mich.

In meiner Jugend war dieses Kaufhaus eine Attraktion in unserem Landkreis, auch wenn es in der nahen Kreisstadt auch ein kleines Kaufhaus gab, aber nur für Kleidung. Und so fuhren Mutter, Bruder und ich einmal im Jahr mit der Bahn nach Hamburg, um die Kaufhäuser in der Innenstadt zu durchstreifen. Gott, war das immer aufregend, so viele Lichter, so viele Sachen und das Gefühl „ich kann mich gar nicht entscheiden“. Zumindest meine Mutter überfiel dieses Gefühl immer, sie bekam einen roten Kopf und übertrug ihre Nervosität auf mich und meinen kleinen Bruder. Meine Aufgabe war es, auf ihn aufzupassen und davon abzuhalten, herabfahrende Rolltreppen aufwärts zu gehen oder sich unter Kleiderständern zu verstecken. Was die Auswahl neuer Kleidung für meine Mutter schwierig machte, war, dass sie keine Sachen „zur Ansicht“ mit nach Hause nehmen konnte, so wie sie das in unserer Kleinstadt gewohnt war, sondern sich gleich entscheiden musste. Immerhin beruhigte es sie, dass man die Sachen auch wieder umtauschen könnte. Und so fuhren wir nachmittags mit Tüten voller Schätze mit der U-Bahn zu einer Tante in Wandsbek, um sie zu besuchen und bei ihr zu essen, denn wir waren nach den Stunden in Kaufhäusern immer völlig dehydriert und ausgehungert. Meine Mutter wäre niemals auf die Idee gekommen, eine Kleinigkeit in der Innenstadt zu essen oder zu trinken, dazu war sie zu sparsam oder wusste nicht wo. Ich kann mich nur an eine einzige Mahlzeit in Hamburg erinnern, und zwar im Bahnhofsrestaurant, ein absoluter Luxus damals. Schnitzel mit Kartoffeln und Erbsen, dazu eine gelbe Brause. Toll!

Die Tante in Wandsbek konnte leider nicht kochen. Sie war ihr Leben lang von ihrem Mann, einem Kapitän, vergöttert worden, der hatte sich nie beklagt. So gab es bei einem unserer Besuche Nudeln mit Specksauße, simple wässrige, halb zerkochte Spaghetti mit in der Pfanne ausgelassenem Speck darüber. Und sonst nichts. Mein Bruder und ich grinsten uns erstaunt an, würgten die Nudeln herunter, meine Mutter war konsterniert, zumal Tante Martha und Onkel Helmut mehrmals im Jahr die Verwandschaft in unserem Landkreis besuchten und sich in opulenten Mahlzeiten durchfutterten und immer ordentlich zulangen. Dieses war der letzte Besuch bei ihr, die nächsten Male besuchten wir eine andere Tante.

Copyright: iSLCollective.com

Karstadt gibt es immer noch, am gleichen Standort wie in den sechziger Jahren. Das Gefühl des Besonderen und des Luxus habe ich seit damals nicht verloren. Es ist super praktisch, im Keller zum Schlüsseldienst zu gehen oder sich eine Uhr reparieren zu lassen, danach durch die Schreibwaren-Abteilung zu streifen, noch einmal kurz in der Damenabteilung nach Sale-Angeboten zu gucken und sich in der Haushaltsabteilung ein neues Küchengerät zu kaufen. Vor Corona gab es oben vor den Toiletten einen Massagestuhl, in den man Euros einwerfen und sich nach dem Einkauf den Rücken durchkneten lassen konnte. Der wurde inzwischen entfernt. Schade. Aber Essen oder Kaffeetrinken kann man bei Karstadt immer noch, diesen kleinen Luxus gönne ich mir jedes Mal und denke dabei an unsere Mutter.

Der Herbst

Eine Freundin aus Argentinien kommt demnächst nach Hamburg. Ihr graut vor der Kälte bei uns, weil sie in den letzten 15 Jahren immer im Mai kam und im September wieder nach Argentinien zurückging, quasi 15 Jahre lang nur Frühling und Sommer bei uns erlebt hat. Das ging in diesem Sommer nicht wegen Corona. Und der „Winter“ in Argentinien, den sie in diesem Jahr zum ersten Mal wieder erlebt hat, ist eher eine harmlose Variante von unserem Herbst.

Sie unterscheidet nur zwischen „Sommer“ und „Winter“. Ich habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass die Jahreszeit bei uns momentan „Herbst“ genannt wird, die Bäume seien ja schließlich noch grün und die Blätter noch nicht abgefallen. Und diese Jahreszeit kann ja sehr schön sein bei uns, auf einem Waldspaziergang gestern hat der Herbst sich von seiner schönsten Seite gezeigt.

Vom Feld auf den Teller

Neulich war ich mal wieder in Dithmarschen, Freunde und Verwandte besuchen. Ph. hat mir bei meinem Besuch auf dem Bauernhof einen frischen schönen Kohlkopf aus der diesjährigen Ernte geschenkt, obwohl ich seit Jahren keinen Weißkohl mehr gegessen habe. Dithmarschen ist das größte Kohlanbaugebiet Europas, der Bauernhof gehörte mal meinem Opa, meine Mutter ist dort aufgewachsen und ich war in meiner Kindheit dort oft zu Besuch. Jetzt bewirtschaftet Ph. zusammen mit seiner Frau K. und einigen Helfern den Hof und sie bauen Weizen, Raps, Gerste, Kohl und Rüben an. K. fährt in der Kohlernte den Trecker, trotz 2 Kindern, großem Haushalt und Nebenjob, wenn es sein muss den ganzen Tag. Der Kohl muss noch per Hand geschnitten werden, damit er nicht kaputt geht. Das ist harte Arbeit!

Ich hatte keine Lust mehr auf Kohl mit Hack, auch nicht als Kohlrouladen zubereitet. Und so habe ich mir mal ein etwas abgewandeltes Rezept ausgedacht, mit Rindfleisch im Stück. Das wird schön gewürzt und scharf angebraten, ca. 30 Minuten geschmort, bis die Zwiebeln und etwas Knoblauch dazu kommen.

Inzwischen wird der Kohl klein geschnitten, nachdem man aus den Vierteln die Strunken entfernt hat. Man wundert sich, wieviel so ein kleiner Kohlkopf hergibt. Das Rindfleisch mit den Zwiebeln und dem Knoblauch bleiben im Topf, ein Klacks Tomatenmark sorgt für Geschmack, und die Kohlschnipsel kommen dazu, oben drauf etwas durchwachsener Speck. Mit gemahlenem Kümmel nicht sparen, der sorgt für Bekömmlichkeit, Pfeffer und Salz jetzt ebenfalls dazu geben. Dann wird alles zusammen weiter geschmort, insgesamt ca. 1, 5 Stunden oder länger. Ab und zu muss man etwas Wasser dazu geben, damit der Kohl nicht anbrennt.

 

 

 

 

 

Wenn man Kartoffeln dazu essen möchte, schälen, extra kochen oder auch 20-30 Minuten obendrauf legen und mitkochen. Die Kohlmenge reicht für mehrere Portionen, die man gut einfrieren kann.

Ich esse jetzt wieder Weißkohl, er schmeckt auf diese Weise zubereitet ausgesprochen lecker und bekommt mir auch sehr gut. Guten Appetit oder „Lot di dat smecken!“

Im Meditationszentrum

Quellbild anzeigenQuellbild anzeigenQuellbild anzeigenQuellbild anzeigenQuellbild anzeigenQuellbild anzeigen

Einmal Buddhismus, immer Buddhismus, dachte ich gestern, als ich zum ersten Mal nach Jahrzehnten wieder das Meditationszentrum in unserer Stadt betrat und in dem schönen Innenhof im Café saß mit einem alten Freund von uns, den ich neulich auf einem Geburtstag wiedergetroffen hatte. Ich wusste gar nicht, dass er Buddhist geworden ist, war ich doch schon als Zwanzigjährige demselben dänischen Lama mit seiner Frau über den Weg gelaufen wie er.

Bildergebnis für Hannah und Ole NydahlHannah und Ole Nydahl aus Dänemark

 Die Gedankenwelt dieser Linie war mir also nicht fremd, meditieren kann ich auch, ich setzte mich also später in die Halle auf den Boden zu den anderen auf ein kleines Kissen, schloss die Augen und machte mit. Die Mantras auf das Oberhaupt dieser tibetischen  buddhistischen Linie kannte ich auch noch, hing doch ein großes Bild von ihm an der Rückwand der Halle. Dieser Mensch ist mir fremd und bedeutet mir nichts, ich brauche keinen Meister mehr.

Den Teil der farbigen Bilder mit Energieströhmen eines goldenen Buddha aus Kopf-, Hals- und Herzchakra ließ ich aus, denn ich kann auch ohne Mantra meditieren oder mein eigenes denken, was ich dann auch tat. Wenn die Meditierenden klangvolle Silben summten, summte ich eine Quarte tiefer oder höher dazu. Das klingt immer so toll, wie die Gesänge mongolischer Nomaden.  Ich atmete tief und ruhig und konzentrierte mich dabei auf meinen Rücken und meine protestierenden Kniee, die sich erst noch wieder an den Schneidersitz gewöhnen müssen nach so langer Pause. Früher konnte ich mal den kompletten Yogasitz, ich hoffe, das gelingt mir irgendwann wieder.

Die Meditation hat mir sehr gut getan, kann sie doch dazu beitragen, vielleicht mein Herz wieder mehr zu öffnen und die Energie daraus fließen zu lassen, meinetwegen auch zum Nutzen aller lebendigen Wesen. Außerdem gab es im dortigen Café sehr leckeren selbstgemachten Kartoffelsalat mit Buletten. Unser Freund, einige andere und ich saßen noch eine Weile beisammen und es stellte sich heraus, dass sie alle auch einen alten Schulfreund von mir aus meiner Heimatstadt kennen, dem sie mal dabei geholfen hatten, eine Stupa in seinem Garten zu bauen. „Willkommen zurück“ sagte einer zu mir. Ist schon erstaunlich, auch ein bisschen magisch, wenn man im Leben Leuten begegnet, die irgendwie die gleiche Wellenlänge haben.

Da gehe ich bestimmt nächste Woche wieder hin zum Meditieren, mit eigenem Mantra und mit wachem Blick, versteht sich.

Quellbild anzeigenQuellbild anzeigenQuellbild anzeigenQuellbild anzeigenQuellbild anzeigen

Quellbild anzeigen

Wasserratte

Der Urlaub ist zuende, jetzt werde ich nicht mehr täglich im Schwimmbad, in Elbe oder Alster baden gehen können. Ja, stimmt, Ihr habt Euch nicht verlesen, neulich habe ich zum ersten (und zum letzten) Mal in der Alster gebadet, gegen Abend, als ich unbedingt eine Abkühlung brauchte. Das Freibad Stadtparksee an der Alster hatte geschlossen, also beobachtete ich die Leute in der Bucht nebenan und beschloss es ihnen gleich zu tun und auch ins Wasser zu gehen, schließlich hatte ich mal die Meldung in der Zeitung gelesen, dass das Alsterwasser wieder Badequalität habe. Es kostet ein wenig Überwindung, in die braunen Fluten zu steigen, wenn ein paar Enten vorbeischwimmen oder ein Hund neben einem gerade ein Stöckchen aus dem Wasser holt, aber Wasserratten schreckt das nicht ab. Das Bad war entsprechend kurz, aber erfrischend, das anschließende Duschen zuhause versteht sich von selbst.

Heute Morgen war die S-Bahn zu meinem Lieblingschwimmbad ausgefallen, kurz entschlossen fuhr ich mit dem Fahrrad einige Kilometer zur Dove-Elbe und suchte einen bestimmten Steg, den ich von früher kannte und von dem aus man gut ins saubere Wasser des Nebenarms der Elbe steigen kann. Ich fand ihn nicht gleich wieder und machte erst einmal eine Pause, um auf der Terasse eines Cafés zu frühstücken. Zu meinem Erstaunen brachte mir eine Serviererin Tabletts voll mit Kaffee, Brötchen, Wurst, Käse und süßen Aufstrichen für mindestens 5 Personen, wahrscheinlich das was vor Corona auf einem Frühstücksbuffet gestanden hätte und jetzt an den Tisch gebracht werden muss. Sie haben die Reste hinterher hoffentlich weggeworfen, da ich anscheinend der letzte Frühstücksgast an diesem Morgen war.

Schließlich fand ich nach zwei Kilometern an der Dove-Elbe entlang eine Badestelle an einem kurzen Steg und konnte mein Handtuch darauf ausbreiten, ein bisschen Zeitung lesen und im Liegen in den Himmel schauen, bis 6 Jungs den Steg entdeckten, neben mir ins Wasser sprangen und sich ziemlich laut Aufmerksamkeit verschafften.

Nach einer Stunde hatte sich die Wiese um die Badestelle herum reichlich gefüllt und ich fuhr weiter in der zunehmenden Mittagshitze am Wasser entlang. Schließlich fand ich „unseren“ Steg wieder, an dem der Liebste und ich vor ein paar Jahren zum letzten Mal gebadet hatten. Heute allerdings war er schon am Vormittag fast komplett mit jungen Leuten auf Handtüchern belegt, die nicht alle die üblichen Corona-Abstände einhielten. Ich schaffte es noch ein freies Plätzchen mit Abstand zu finden, ging eine Runde schwimmen und kletterte mit der Hilfe eines kräftigen jungen Mannes wieder auf den Steg.

Als sich zwei Damen ohne Schutzmasken hinter mir im Abstand von 20 cm niederließen, packte ich meine Sachen und fuhr zurück in Richtung Centrum, entlang am Deich der Süderelbe, vorbei an einem Blumenfeld zum Selberpflücken. Ich hoffe, die Cosmea überleben die Hitze noch für ein paar Tage, ich hätte die robusteren Sonnenblumen pflücken sollen.

Meine Wasserflasche war inzwischen leer und ich brauchte dingend etwas zu Trinken, die Hitze war inzwischen fast unerträglich geworden. An der Brücke zu einem Pontoncafé ein paar Kilometer weiter stand bereits eine Schlange, um die Besucherdaten auf Zetteln einzutragen. Eine junge Frau saß unter einem Sonnenschirm und belehrte die Leute ab und zu, doch bitte größere Abstände einzuhalten, da das Café noch von der Maskenpflicht verschont sei und das so bleiben solle. Auch das Warten in der Schlange ertrug ich noch, bis ich endlich einen Platz fand, um Durst und Hunger zu stillen. Leider ist das Wasser in der Süderelbe zu schmutzig um darin zu baden, sonst wäre ich am liebsten noch einmal ins Wasser gesprungen!

 

 

Corona-Alltag

Bildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilder

Im Supermarkt Maske auf, Hände am Eingang desinfizieren, Wagen schnappen, Abstand halten funktioniert schon ganz gut. Wenn ich die Maske zuhause vergessen habe, gehe ich vorher in die Apotheke nebenan mit Einkaufsbeutel über Nase und Mund und kaufe mir eine OP Maske für 1,50.

Im Eiscafé oder im Restaurant kann man ja momentan gut draußen sitzen, sich in die Listen eintragen und die Maske erst beim Essen absetzen. Sitzen allein, mit maximal 5 Freunden  mit Abstand wird das schon schwieriger, geht aber. Größere Runden kommen bis auf weiteres nicht in Frage, tja leider. Besuche zuhause sind bis auf weiteres nur im Garten oder an einem offenen Fenster möglich, am besten mit Durchzug durch die Wohnung. Schwierig, daher selten.

In der U-Bahn oder S-Bahn mit dem Fahrrad muss ich an der Tür stehen bleiben, dort lässt sich besser Abstand halten als in den Sitzecken, das Fahrrad muss festgehalten werden – geht, aber nur zu Tageszeiten außerhalb des Berufsverkehrs. Sonst fahre ich mit dem Fahrrad durch die Stadt, ein sportliches Strampeltraining, gut für die Gesundheit.

Bei der Arbeit sitze ich allein auf 6,5 Quadratmetern im Minibüro, sehr praktisch, es lässt sich abschließen und Besucher müssen klopfen, damit ich eine Maske aufsetzen kann. Durch den Flur, zur Poststelle, die Treppen auf und ab gehe ich nur mit Mund-Nasenschutz und halte genügend Abstand, auch zu den Kolleg*Innen, stehend in der Bürotür, man braucht ja mal einen Klönschnack zwischendurch. Desinfizieren kann man die Hände an mehreren Stellen. An der gemeinsamen Mittagspause nehme ich nur teil, wenn wir draußen sitzen können, sonst lasse ich sie lieber aus – seufz – in Herbst und Winter wird das wohl dauerhaft so sein. Homeoffice ist jederzeit möglich, aber auf die Dauer zu langweilig und zuweilen einsam.

Meine regelmäßige  Behandlung in einer Ambulanz erfolgt nur unter strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen: eigene Schreibstifte benutzen statt Gemeinschaftsstiften, die nach einmaligem Gebrauch desinfiziert werden, Abstände im Wartebereich, Linien auf dem Boden vor der Anmeldung, Tragen einer FFP2-Maske, Gespräche mit dem Arzt mit Abstand vor seinem Schreibtisch, Sitzen zur Behandlung in Einzelbereichen mit Vorhängen rechts und links. Das wird zur Routine, seit Monaten ist nichts passiert.

Im Schwimmbad herrscht Maskenpflicht am Eingang, genug Abstand zu anderen Badegästen ist am besten vormittags möglich, auch an Wochenenden. Nachmittags gehe ich nicht mehr ins Schwimmbad, sondern fahre lieber an einen See oder ans Meer, wie gestern an die Ostsee. Natürlich nicht gerade nach Scharbeutz, sondern an abgelegene Strände. Der Aufwand einer 2-Std-Fahrt lohnt sich, auch wenn nur selten möglich. Nur am Meer fühlt es sich so an wie früher, ohne Corona.

Bisher hat mein Schutz vor einer Infektion ausgereicht und ich kenne niemanden, der sich oder jemanden infiziert hat. Toi toi toi, das wird bestimmt monatelang so weitergehen, bis es endlich eine Impfung gibt, vermutlich erst im Sommer oder Herbst 2021. Man müsste am Meer wohnen können und abwarten, bis die Pandemie endlich vorbei ist. Und solange schön regelmäßig Lotto spielen.

Bildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilderBildergebnis für masken und abstand bilder

Das Handy ist weg

Frau W. hat Urlaub und sitzt am zweiten Tag nach einem schönen Nachmittag im Schwimmbad in der warmen Abendsonne auf einer Metallbank der Endstation, ihr Fahrrad steht auf dem Ständer neben der Bank, ihre Badetasche und der Rucksack liegen neben ihr. Die S-Bahn wird in 20 Minuten kommen. Sie holt ihr Handy aus der tiefen Seitentasche des Rucksacks und schreibt ein paar WhatsApp Nachrichten. Die S-Bahn fährt ein, Frau W. zieht sich ihre Atemschutzmaske über die Nase, legt kurz das Handy rechts neben sich auf die Bank, klappt den Fahrradständer ein, stellt die Badetasche in den Fahrradkorb, schnallt sich den Rucksack um und betrittt den leeren Waggon, um sich einen geeigneten Platz zu suchen, auf dem sie während der Fahrt sitzen und gleichzeitig ihr Fahrrad mit einer Hand festhalten kann.

Außer ihr betritt nur ein Mann den Waggon, der sich aber nicht hinsetzt, sondern geschäftig alle metallenen Abfallbehälter an der linken Fensterseite nacheinander aufklappt und leert. Ihr fällt auf, dass er keine Arbeitskleidung von Bahnmitarbeitern trägt, sondern normale Alltagsklamotten, und auch keine Plastiktüte oder einen Abfallbehälter dabei hat. Und außerdem, Reinigung während der Fahrt, doch wohl nicht? Hat er vielleicht eine Zwangsstörung? Frau W. wird neugierig, sie hat gesehen, dass auf dem Abfallbehälter der Sitzecke hinter ihr zwei leere Kaffeebecher stehen und eine Werbebroschüre auf dem Sitz liegt. Sie  ist gespannt, ob der Mann diesen Abfall auch mitnehmen wird. Er kommt vorbei, schaut ihr nicht in die Augen, lässt den Abfallbehälter in ihrer Sitzecke aus und geht weiter – ohne den Müll in der benachbarten Ecke mitzunehmen. Wahrscheinlich ist er auf der Suche nach Pfanddosen und tut nur so, als würde er den Müll einsammeln, weil es ihm peinlich ist, denkt sie.

Die S-Bahn fährt los. Frau W. schaut aus dem Fenster und den Leuten zu, die nach und nach den Wagen betreten und sich hinsetzen. Dann kommt ihr noch eine Idee und sie will ihr Handy aus der Seitentasche nehmen, aber die Seitentasche ist leer. Zweimal hintereinander leert sie den gesamten Rucksack und den Inhalt der Badetasche aus und packt ihn wieder ein, murmelt vor sich hin „das Handy ist weg“ und hört auf zu suchen. Eine nette junge Frau schräg gegenüber bietet ihr an: „Vielleicht können wir mal ihre Nummer anrufen?“ Frau W. lächelt sie dankbar an, ohne zu erwähnen, dass sie das zuhause auch machen würde, wenn sie ihr Handy nicht finden kann, und sagt: „Eine gute Idee, wenn es in der Tasche klingelt, ist es da irgendwo drin, und wenn nicht….!“ und zuckt mit den Achseln. Die junge Frau tippt ihre Handynummer nach Ansage ein und gibt Frau W. ihr Handy in die Hand, damit sie selbst hören kann. Das Freizeichen ertönt ein paarmal. Es klingelt nicht in der Tasche. Frau W. bedankt sich und überlegt kurz, ob sie an der nächsten Station aussteigen und zurückfahren sollte, aber inzwischen sind 25 Minuten seit der Abfahrt vergangen, und wer weiß, ob jemand ihr Handy nicht schon gefunden hat? Sie ist sich inzwischen sicher, dass sie es auf der Bank auf dem Bahnsteig hat liegenlassen. Mist!

Bildergebnis für samsung smartphone schwarz bild

Zuhause angekommen, ruft sie ein paarmal von ihrem Festnetzanschluss aus ihre Handynummer an und hofft, dass jemand auf dem Bahnsteig vielleicht das Klingeln hört und rangeht, denn ihr Handy ist nicht gesichert. Sie liebt das schwarze Bakelit-Unikum zuhause, eine Erinnerung an ihre Kindheit in den Sechzigern, als sie von solch einem Telefon im Wohnzimmer ihrer Großmutter aus stundenlang mit ihren Freundinnen telefonierte, bis ihre Oma protestierte, sie wolle schließlich auch mal telefonieren.

Bildergebnis für Telefon schwarz Bakelit BildNiemand geht an ihr Handy. Sie ruft ihren Sohn an und erzählt ihm, was passiert ist, damit er nicht mehr auf ihre WhatsApp Nachrichten antwortet. Ihr Sohn regt sich ein bisschen auf, weil das Handy nicht gesichert sei, und somit jeder Finder in die ganze Welt telefonieren oder sonstwas damit anstellen könne, sie müsse es unbedingt beim Telefonanbieter sperren lassen. Sie antwortet ihm: „Ach was, es gibt so viele nette Menschen auf der Welt, ich glaube an das Gute im Menschen!“ Sie lässt sich 10 Minuten Zeit und versucht noch ein paarmal, sich selbst anzurufen, gibt dann auf und ruft den Telefonanbieter an. Der versichert ihr, dass das Handy nach der Sperrung nicht mehr klingeln könne, sondern komplett deaktiviert sei. Ihr bleibt jetzt nur noch, am nächsten Morgen ganz früh zur Endstation zu fahren und einen Zettel an die Bank zu heften, auf dem steht „Handy verloren“.

15 Minuten später ruft ihr Sohn an: „Du hast mal wieder Glück gehabt, eben hat mich ein Mann angerufen, der Dein Handy gefunden hat, er hat Adresse und Telefonnummer hinterlassen und nimmt das Handy mit zu sich nach Hause. Er wohnt in Grande östlich von Hamburg, Du kannst es morgen abholen.“ Das müsse kurz vor der Sperrung gewesen sein.

Ein Glücksgefühl durchströmt Frau W., sie hatte Recht mit ihrem Glauben an das Gute und macht ein paar Tanzschritte durch die Wohnung. Dann ruft sie den Finder an: „Guten Abend, hier ist die dumme Nuss, die ihr Handy auf dem Bahnsteig hat liegenlassen, kann ich morgen früh vorbeikommen und es abholen?“ Der Herr ist sehr nett und sagt: „Ach, sowas kann ja mal passieren, ja, morgen früh ab 9:00 Uhr, meine Frau ist zuhause, unsere Adresse haben Sie ja.“

Am nächsten Morgen um 8:00 Uhr geht sie zur Carsharing-Station um die Ecke, bei der sie ein Fahrzeug gebucht hat, denn Grande liegt über 40 Kilometer östlich von Hamburg und ist per Bahn zu umständlich zu erreichen. Sie stellt sich neben das Fahrzeug und will das Carsharing-Kundencenter kontaktieren, bis ihr aufgeht, dass das ja ohne Handy mit der Carsharing-App gar nicht geht. Sie muss über sich selbst lachen und beobachtet dabei einen sehr verschwitzten Jogger 20 Meter weiter, der Dehnübungen macht und dabei bedenklich laut stöhnt. Der einzige Mitmensch weit und breit. Sie traut sich nach einigem Zögern ihn anzusprechen, um ihn evtl. zu bitten sein Handy einmal kurz für einen Anruf zu benutzen, es ist ihr sehr unangenehm: „Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie störe.“ Der Jogger dreht sich nicht um und zischt zwischen seinen Zähnen hindurch: „Ich möchte nicht gestört werden!“

Frau W. wartet ab, wer sonst noch vorbeikommt, und sieht einen Kollegen auf dem Rad vorbeifahren. Erleichtert bittet sie ihn, sein Handy für einen Anruf benutzen zu dürfen. Das sei kein Problem. Das Kundencenter schaltet den Wagen frei und sie fährt los, zunächst zum nächsten Supermarkt, um eine Schachtel MERCI Schokoriegel für die Familie in Grande zu kaufen. Sie hat an Geschenkpapier und Tesafilm zum Verpacken gedacht und verpackt das Geschenk, bevor sie über die Autobahn nach Grande fährt.

Das Einfamilienhaus in Grande ist leicht zu finden, der nette Vater und sein kleiner Sohn stehen in der offenen Haustür und begrüßen sie herzlich. Dann kommt der blonde Kleine mit ihrem Handy, das er wie auf einem Tablett auf seinen beiden Handflächen trägt, zu ihr und sagt stolz: „Das hab‘ ich gestern auf dem Bahnhof gefunden.“  Sie hockt sich hin und sagt überglücklich: „Dankeschön, das hast Du aber gut gemacht, ich hab‘ mich so gefreut, als Dein Papa gestern meinen Sohn angerufen hat.“ Dann kommt noch ein kleiner weißer Struppihund unter den Beinen des Vaters hervor und begrüßt sie mit wedelndem Schwanz. Was für eine nette Familie! Sie übergibt dem Vater die Schokolade, bedankt sich nochmals und dann fährt sie davon.

Im Nachbarort hält sie an einem Café und genehmigt sich an einem freien Außentisch erst einmal ein Frühstück mit allem Drum und Dran, O-Saft, Croissants, Eiersalat, Honig. Die Sonne strahlt jetzt schon am Himmel und wärmt ihren Nacken. Das wird sicher ein schöner Urlaubstag werden!

Die Moral von der Geschicht: lasst Euer Handy ungesichert und meldet Euren Festnetzanschluss nicht ab. Und glaubt immer an das Gute im Menschen, dann kommen Eure Sachen zu Euch zurück!

Bürli

Ich weiß nicht, woher der Name stammt, wahrscheinlich aus der Schweiz. Es sind kleine Brötchen. Das Tolle an dem Rezept ist, dass man den Teig abends zubereiten und am nächsten Morgen zum Frühstück frisch gebackene Brötchen essen kann.

Zutaten:
500 g Mehl
1 EL Salz
1 Würfel Hefe
1 Prise Zucker

* Mehl (Weißmehl pur oder gemischt mit einem Viertel Dinkel- oder Roggenmehl) und
Salz in einer großen Schüssel mischen
* Hefe mit 1 Prise Zucker in 340ml lauwarmen Wasser auflösen
* Hefewasser zum Mehl geben, mit den Knethaken vermixen
* mit den Händen gut durchkneten und zu einer Kugel formen
* Teigkugel in die Schüssel legen und abgedeckt in den Kühlschrank stellen
* über Nacht (10-12 Stunden) gehen lassen
* Backofen mit Blech auf 250 Grad vorheizen, Umluft 230 Grad
* Teig aus dem Kühlschrank nehmen, nicht mehr kneten!
* mit einem Esslöffel Teigstücke abstechen auf einer leicht bemehlten Fläche
* Die Teigmenge ergibt 12 bis 15 Stück
* das warme Blech mit Backpapier auslegen und die Teigstücke drauflegen
* ca. 15 Minuten goldbraun backen
* wenn man sie vor dem Backen mit Wasser und Eigelb bestreicht und noch ein bisschen
auf dem Blech gehen lässt, werden sie etwas größer
* abkühlen lassen

Hummersuppe mit Würstchen

Inzwischen kenne ich mich etwas aus auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, denn ich war wieder da. Ich weiß jetzt, dass man beim Inselbäcker gut frühstücken kann, wo die Bücherhalle und das Schwimmbad zu finden sind und dass man für einen Tagesausflug besser von Cuxhaven und nicht von Hamburg aus fährt, weil man dann 6 statt nur 4 Stunden Aufenthalt auf der Insel hat.  Ein gutes Fischbistro habe ich auch gefunden, Matjes mit Bratkartoffeln schmecken dort köstlich, auch wenn ich in Kauf nehmen musste, statt Matjes keinen Rollmops zu diesem Gericht zu bekommen, denn „wir brauchen die Bratkartoffeln für unsere Fischgerichte, Rollmops mit Bratkartoffeln gibt es nicht! Und außerdem, ziehen Sie sich bitte Schuhe über, barfuß ist unhygienisch!“

In einem anderen Restaurant an der Hauptstraße wurden mittags kulinarische Spezialitäten angeboten, wie Hummersuppe mit Sahne.  Mal abgesehen davon, dass ich total vergessen hatte, dass ich Hummersuppe eigentlich gar nicht mag, war ich doch etwas konsterniert, festzustellen, dass die Einlagestückchen weder Hummmer noch Fisch, sondern Würstchenstücke waren. Aber Essen muss ja nun nicht zur Hauptsache werden bei einem Ausflug auf die Insel.

Die Natur auf der benachbarten Düne hat mich regelrecht verzaubert. Ein Tag Meeresrauschen, Strandweitsicht und Beobachtung von liebenswürdigen Vögeln, wie einem Austernfischer, hat den Effekt einer Meditation. In Strandnähe konnte ich tauchende Robben beobachten und am Himmel Schwärme von Seeschwalben. Die Düne ist weitgehend naturbelassen und das Wasser der Nordsee dort kristallklar. Man findet keinen Imbiss auf dem Campingplatz, das einzige Restaurant kann man getrost ignorieren, da es nur die üblichen CurrywurstSchnitzelPommesSpaghettiBolognaise im Angebot hat, man sollte sich lieber Butterbrote mitbringen, die auch die Austernfischer gerne verspeisen. Einmal die Düne am Strand zu umrunden dauert ungefähr 2 Stunden, man sollte allerdings keinesfalls barfuß auf dem steinigen Sand gehen.

Helgoland ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht, der 70er und 80er Jahre-Mief verschwindet langsam. Man hat den Eindruck, dass eine neue Gemeindeverwaltung sich etwas einfallen lässt, wie neue Häuser auf dem Oberland zu bauen oder die Promenade bis zum Schiffsanleger zu verschönern mit Bürgersteig und Bepflanzung. Aber es gibt sie noch, die vielen Duty free-Shops mit Alkohol, Zigaretten und Süßigkeiten in Großpackungen und die kleinen Schmuckläden mit Bernsteinohrringen, die dort bestimmt schon seit 1970 in der Auslage liegen, sehr charmant.

 

Lass die Schweinehunde heulen

Heute ist so ein Tag, an dem man Lisas Rat folgen sollte.

Bildergebnis für lisa bassenge bild(copyright: musenblaetter.de)

Lass die Schweinehunde heulen (drauf klicken, Song dahinter)
Lisa Bassenge

Lass die Schweinehunde heulen,
Lehn’ Dich trunken aus dem Fenster
Schrei’ den Menschen auf der Straße
Deinen Namen in die Fresse
Tanz’ noch drei / vier letzte Tänze
Wälz’ Dich heulend auf dem Boden
Bind aus Zigaretten Kränze
Rauch’ als gebe es kein Morgen
Lass’ die Nase richtig bluten
Taumel’ durch den Morgennebel
Leg Dich einfach auf die Straße
Und Du weißt
Du bist am Leben!

Treib’ die Kühe durch die Dörfer
Jag’ die Katze aus dem Haus
Gib dem Affen noch mehr Zucker
Lass’ die Säue alle raus
Stemm’ die nächste feine Kneipe
Roll Dich ganz ins Tischtuch ein
Und geh’ dem Kellner an die Wäsche
Lass’ dann endlich Ruhe sein
Lass’ die Nerven richtig zittern
Taumel’ durch den Morgennebel
Stell’ Dich mitten ins Gewitter
Und Du weißt
Du bist am Leben!

Mach’ die größten Piroetten
Schrei’ die Lungen aus dem Leib
Hau’ den Lukas bis nach oben
Tauch in Zuckerwatte ein
Nimm’ die besten Augenblicke
Bau’ Dir Deine Zeit daraus
Riskier die dickste aller Lippen
Pfeif’ auf jeglichen Applaus
Lass die Nase richtig bluten
Lass die Erde richtig beben
Stell’ Dich mitten ins Gewitter
Und Du weißt
Du bist am Leben!

Und heute werde ich mich mitten ins Gewitter stellen!

 

Knut Kiesewetter

Mir geht seit Tagen ein schönes Lied von Knut Kiesewetter nicht mehr aus dem Kopf. Das ist schon alt und kennt hier im Norden fast jeder. Knut war ein bekannter Jazzmusiker und Liedermacher aus Nordfriesland, der hunderte von Liedern geschrieben hat. Auch in Dänemark war dieses Lied damals sehr beliebt und wurde sogar von einem dänischen Radiosender als Erkennungsmusik verwendet. Es ist in Plattdeutsch geschrieben und heißt „Fresenhof“

Fresenhof
Wenn de Wind dör de Bööm weiht
Un Gras nich mehr wassen deiht
Un geel all ward, denn kummt bald de Tied
Wenn de Storm övre’t Feld geiht
Wo lang schon keen Korn mehr steiht
Un Mehl all ward, denn ist bald sowietDat de Dag köder ward un de Nach de duert lang
Un de Kinner vun Nabar, de warn in Düstern bang
Wenn de Regen vun’t Reitdach dröppt
Mien Söhn buten gauer löppt
Sonst ward he natt, denn snurrt bin’n de KatWenn de Wind dreiht, vun Nord weiht
Un Reg’n geg’n de Finster neiht
De Schieb’n dahl rennt, denn föhl ik mi wohl
Wenn dat Füer in Kamin brennt
Un jeder di bi’n Vörnam nennt
Weil he di kennt, denn is uns Hus vullDenn de Nabers sünd disse Tied ok nich geern alleen
Un bi Teepunsch an’t Füer ward de Wedder weder schön
Wenn de Blädder sik brun farvt
Un Water steiht inne Groof
Denn ward dat Harvs, op uns Fresenhof
Bei der Recherche habe ich auch einen kleinen Schatz gefunden, Aufnahmen aus den 90er Jahren mit ihm und  seinem Sohn Klaas Kiesewetter zusammen, der genauso eine schöne Stimme hat wie sein Vater. „Here comes the son“. Viel Spaß beim Mitsingen!
Nachtrag: Meine Mundharmonika lag lange in der Schublade, aber für Fresenhof habe ich sie wieder hervorgeholt und versucht mitzuspielen. Hmmh, mit einer Dur-Mundharmonika funktioniert das leider nicht, weil das Lied in Moll-Harmonien geschrieben ist. Also, bin ich in den nächsten Musikalienladen gefahren, der neu eröffnet hat, klein aber fein, und wollte eine Moll-Mundharmonika kaufen. „Welches Moll denn?“, fragte mich der nette Besitzer, „C-Moll, G-Moll oder…?“ Ich war ratlos, weil ich so sicher nun auch wieder nicht in Harmonielehre bin. Ich begann ihm das Lied vorzusummen, aber er wusste auch nicht, welche Tonart das war und schlug vor: „Am besten, Sie schauen zuhause mal nach, in welcher Tonart das Lied geschrieben ist und probieren aus, in welcher Tonart Sie es dann singen möchten. Und dann kommen Sie wieder und wir bestellen die passende Mundharmonika.“ Und so machen wir das, auf diese Weise muss ich mich mal wieder mit Noten und Harmonien beschäftigen. Danke Knut, für die Inspiration!

Anbaden auf Helgoland

Meine liebe Nachbarin HL und ich haben gestern zusammen einen Ausflug nach Helgoland  gemacht, für sie war es eine Premiere, ich war schon ein paarmal da. Sie wusste aus den Infos, die sie vorher gelesen hatte, zu berichten, dass an manchen Tagen 3000 Besucher Deutschlands einzige Hochseeinsel überfallen. Furchtbare Vorstellung, wenn die armen Basstölpel und Trottellummen auf dem Felsen mit ihrem Geschnatter die vielen Besucher übertönen müssen.

Man kommt ja nur per Schiff nach Helgoland, das eigentlich normalerweise gut gefüllt ist. Zu Corona-Zeiten ist natürlich alles anders, der Katamaran von Hamburg aus ist zur Zeit nur zu einem Bruchteil mit Passagieren besetzt, nicht nur, weil die Buchungsgrenze um die Hälfte reduziert wurde, sondern auch, weil wahrscheinlich viele Besucher lieber nicht mit dem Schiff fahren, genauso wenig wie mit der Bahn, um auf Nummer sicher zu gehen. Wir hatten ganz bewusst eine Überfahrt an einem Wochentag gebucht, an dem trotz Ferienbeginn noch weniger Passagiere mitfuhren als am Wochenende. Das war eine sehr gute Entscheidung, es gab fest reservierte Plätze mit genügend Abstand zu Sitznachbarn, durch die installierten Acrylglasscheiben zwischen den Reihen zusätzlich geschützt. Schutzmasken waren vorgeschrieben, genau wie in der Bahn und in Supermärkten, also coronamäßig alles bestens.

Wir saßen uns schräg gegenüber an einem Tisch, auf dem wir unsere mitgebrachten Köstlichkeiten ausbreiten konnten, HL ihre arabischen Soufflés und Blätterteigsüßigkeiten, ich meine Pumpernickel mit Kräuterfrischkäse, die Beilagen und diversen Getränke, von Ayran, über Kräutertee bis Wasser und Kaffee. Man kann natürlich auch beim Bordpersonal etwas zu Essen bestellen, aber spart eine Menge Geld, wenn man sich selbst versorgt. Wir waren die einzigen beiden „Elsen“ auf dem Schiff, die Strohhüte trugen, niemanden interessierte dies weiter und so konnten wir uns leicht auf allen drei Decks wiederfinden.

 

Das Wetter war perfekt, die Sonne strahlte am wolkenlosen Himmel, es blies so gut wie kein Wind über der Nordsee, nur ein angenehmer Fahrtwind kam auf, sobald der Katamaran auf Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten beschleunigte. Das Schiff lag die ganze Fahrt über wie ein Brett im Wasser.

Nach dem Anlanden im Hafen verlief es sich schnell auf der Insel, die Straßen, Cafés und Läden waren nicht übervölkert, auch nicht durch bereits angereiste Feriengäste. Wir hatten wie immer die Wahl zwischen dem Oberland auf dem roten Felsen mit den vielen Vögeln und dem Rundumblick über die blaue Nordsee, oder der Düne mit Sandstrand und Baden, denn beides ist bei einem Aufenthalt von 4 Stunden in einem Tagesausflug nicht zu schaffen. Wir entschieden uns für die Düne und marschierten direkt zu den Börtebooten, die im Pendelverkehr zwischen der Hauptinsel und der Düne hin- und herfahren. Auch dort wurde der nötige Abstand mit Mundschutz eingehalten. Wir genossen das satte Blau des Wassers und das Auf und Ab des Bootes während der schnellen Fahrt, bekamen sogar einige erfrischende Spritzer Wasser ab.Auf der Düne muss man dann 2 Kilometer zu Fuss an einer kleinen, neuen Siedlung von bunten Holz-Ferienhäusern vorbei um eine Biegung zum Sandstrand gehen, um an die bewachte Badestelle am Leuchtturm zu kommen. Ich war etwas enttäuscht, dass in der kleinen Bucht zu Anfang keine Robben am Strand lagen, die waren um die Mittagszeit vermutlich beim Fischen.

Wir breiteten unsere Badedecke schließlich im Sand aus und ich zog meinen Badeanzug an. HL hatte keine Lust zu baden, aber ich dafür umso mehr, zum ersten Mal in diesem Jahr. Das Wasser war erstaunlich warm, schätzungsweise 18° oder 19°, und ich zögerte nicht, mit einem Juchzer im klaren Salzwasser unterzutauchen. Als mein Kopf wieder aus dem Wasser auftauchte, sah ich eine Kegelrobbe ca. 40 Meter entfernt von mir schwimmen und in meine Richtung blicken. Ich bekam sofort Lust, mich mit ihr anzufreunden, obwohl am Strand überall Warnschilder stehen, den Mindestabstand von 30 Metern zu den Tieren zu wahren, und obwohl ich natürlich weiß, dass sie nicht zahm sind und sehr scharfe Zähne haben. Einen Moment lang überlegte ich, was für Geräusche Kegelrobben wohl machen, und bellte dann einmal versuchsweise wie ein Hund. Und dann ich rief ihr laut zu: „Moin, Herr Kegel, wie geht’s denn heute so?“ Herr oder Frau Kegel war sehr interessiert und begann in meine Richtung zu schwimmen. Bei ca. 30 Metern Abstand ertönte die schrille Trillerpfeife des aufsichtsführenden Bademeisters vom Strand, der mir zurief: „Nicht anlocken, das ist gefährlich, Sie wollen doch nicht, dass Ihnen nachher ein Finger fehlt! Die sind wild und beißen.“ Ich zögerte einen Moment und zog mich dann doch lieber aus dem Wasser zurück, auch weil alle Badegäste in der Nähe mich beobachteten.  Herr oder Frau Kegel drehte um und schwamm wieder weiter hinaus.

Bildergebnis für Kegelrobbe
(Copyright Naturfotografen-Forum.de)

Wir konnten nur 2 Stunden bleiben, wenn wir die Abfahrt des Katamarans nicht verpassen wollten, um die Sonne und das Wasser zu genießen, Fotos zu machen und die wunderschönen Sommerfarben von Wasser, Strand und Himmel in uns aufzunehmen. Zu unserem Entzücken lagen auf dem Rückweg dann doch Kegelrobben und Seehunde in zwei Gruppen getrennt voneinander in der kleinen Bucht im Sand und sonnten sich. Ich hatte HL also nicht zuviel versprochen und sie war begeistert.

Auf der Hauptinsel blieb uns noch genügend Zeit, Fisch und Bratkartoffeln und danach Eis essen zu gehen, einem Duty Free-Shop einen Besuch abzustatten, einige Parfums auszuprobieren, Großpackungen Schokolade und ein Souvenir für HLs Mann zu kaufen. Wir waren die letzten Fahrgäste, die den Katamaran bestiegen, es hatte bereits einmal mahnend vor der Abfahrt getutet.

Auf der 3 1/2- stündigen  Fahrt zurück nach Hamburg waren wir sehr wortkarg und ein bisschen nachdenklich, wie die meisten der anderen Fahrgäste auch. Noch einmal gingen wir in der warmen Abendsonne auf’s Oberdeck, ließen die schönen grünen Landschaften an beiden Elbufern an uns vorbeiziehen und konnten uns immer noch nicht sattsehen. Unser Ausflug auf die Insel fühlte sich an wie drei Tage Urlaub, komprimiert auf 4 Stunden.

HLs Mann holte uns netterweise an den Landungsbrücken ab und war gespannt auf unsere Berichte, da er noch nie auf Helgoland war. Wir berichteten ihm begeistert in Kurzform, was wir erlebt hatten, und ich fügte noch hinzu: „Wir haben übrigens nicht den ganzen Tag gequatscht, und schon gar nicht über Dich!“ Das gefiel ihm und HL lächelte amüsiert in sich hinein. Es erstaunte ihn, dass wir überhaupt nicht erschöpft waren, eher aufgeladen und sehr entspannt.

Für mich ist ganz gewiss, Helgoland, ich komme wieder, schon bald!

 

Wilhelm (3)

60er Jahre
Wilhelm und Helene ging es nach ihrer Scheidung schlecht. Helene arbeitete zunächst schwer auf dem Bauernhof ihres Vaters bei der Ernte mit, zog mit den Kindern später in die obere Etage des Altenteilhauses ihrer Eltern in der nahen Kleinstadt und versuchte dann eine Stelle bei der örtlichen Sparkasse zu bekommen, indem sie einen Schreibmaschinenkursus absolvierte. Trotz der Beziehungen ihres wohlhabenden Vaters zum Bankdirektor reichten ihre Fähigkeiten nicht aus und so musste sie zunächst als Kassiererin in einem Supermarkt und dann als Verkäuferin in einem Billigkaufhaus arbeiten. Für Helene bedeutete dies eine enorme Kränkung und ein sozialer Abstieg, was sie niemals aussprach, aber spürbar war, wenn man sie gut kannte. Sie wurde schwer herzkrank, konnte nur noch eingeschränkt arbeiten und wurde daher von ihren Eltern jahrelang finanziell stärker abhängig. Wilhelm fühlte sich von seiner Frau im Stich gelassen und um ihre Liebe betrogen und war nicht dazu fähig, regelmäßig genug Geld zu verdienen, um ihr Unterhalt zu zahlen. Trotzdem trafen sich die beiden jahrelang noch manchmal ohne Wissen ihrer Eltern heimlich am Wochenende. Helene schwankte, ob sie es nicht doch noch einmal versuchen sollten, war hin- und hergerissen zwischen dem vernichtenden Urteil ihrer Familie und ihren Gefühlen der Sympathie.

Eines Tages hatte sie ihren beiden Kindern angekündigt, dass sie am Ende der Straße einige Häuser weiter eine Wohnung gefunden habe, in die sie umziehen würden, und Wilhelm würde dann wieder mit ihnen zusammen leben. Kurz bevor der Umzug stattfinden sollte, hieß es dann plötzlich, dass daraus nichts werden würde. Vermutlich hatte Wilhelm seinen Alkoholkonsum immer noch  nicht unter Kontrolle und Helene gab das Vorhaben deshalb auf und entschied sich endgültig gegen ihn. Helene brachte es darüber hinaus fertig, Wilhelm mit einer Anzeige einige Monate Gefängnisaufenthalt zu bescheren und schaffte es immer wieder, Kontakte zu Bekannten aus seinem Dorf zu nutzen, um an ihren Unterhalt zu kommen. Aus ihrer Sicht war sie im Recht, sie war rechtskräftig „unschuldig“ geschieden.

Die Kinder besuchten ihn regelmäßig alle 14 Tage in der Wohnung der Großeltern. Was die Last dieser Besuche noch drückender machte als der Anblick der Großeltern, die trotz der Freude über die Besuche ihrer geliebten Enkelkinder oft traurig und müde wirkten, war die Tatsache, dass Helene die Kinder mit dem Auftrag schickte, Unterhaltsgeld von Wilhelm zu verlangen. Oftmals drucksten sie den ganzen Sonntag im Wohnzimmer bei den Großeltern herum, um dann schließlich kurz vor Ende des Besuchs die Bitte vorzutragen, die ihnen schrecklich peinlich war. Wilhelm flüchtete immer mehr in den Alkohol, saß einmal bei einem Besuch seiner Kinder betrunken und vollgepisst in einem Sessel im Wohnzimmer, weil seine Mutter es nicht geschafft hatte, ihn rechtzeitig in sein Schlafzimmer gegenüber im Flur zu bugsieren. Die Kinder waren angeekelt und damit völlig überfordert, und Wilhelm war bei den Wochenendbesuchen danach nicht mehr dabei. Wilhelms Sohn wollte mit seinem Vater nichts mehr zu tun haben, bis zu Wilhelms Tod vermied er möglichst jeden Kontakt zu ihm, hauptsächlich wegen der peinlichen Folgen der Unzuverlässigkeit seines Vaters, z.B. nicht bezahlter Krankenkassenbeiträge für die Kinder, die er seinem Vater nicht verzeihen konnte. Es war schlimm genug, bei einem Stadtfest seinem betrunkenen Vater zu begegnen. Jahre später sagte er über diese unfreiwillige Begegnung zu seiner Schwester: „Am schlimmsten für mich war, dass er dann anfing zu weinen!“

Trotz allem schaffte Wilhelm es tage- oder wochenlang lang nüchtern zu bleiben, arbeitete dann als Landarbeiter bei den Bauern der Umgebung und schickte Postanweisungen mit 50,- Mark-Beträgen an seine Kinder. Sein Vater Friedrich betrieb als Rentner weiter Gemüsehandel in kleinerem Umfang, um über die Runden zu kommen und seinen Enkelkindern bei jedem Besuch etwas Geld zuzustecken. Er hatte inzwischen einen Kontakt zu einer kleinen Firma in Glückstadt mit einem Lastwagenfahrer aufgenommen, der das Gemüse abholte und zu den Abnehmern fuhr.

Und dann starb der alte Friedrich an einem Herzinfarkt und ließ seine Frau Bertha mit Wilhelm allein zurück. Die Beerdigung sollte in seinem Geburtsort Büsum stattfinden, ein langer Zug mit Autos fuhr langsam an ihrer Wohnung vorbei als letzter Gruß, das ganze Dorf nahm daran teil, weil Friedrich bei allen bekannt und beliebt gewesen war. Bertha wurde noch trauriger, als sie ohnehin schon war, und ließ sich gehen. Wilhelm schaffte es nicht, sich der Umklammerung seiner Mutter zu entziehen und endlich sein eigenes Leben zu leben, weil seine Schuldgefühle und das Gefühl ein Versager zu sein ihm dies unmöglich machten und er keine Hilfe bekam. „Ich bin ein Strolch, nicht!?“, sagte er einmal zu seiner Tochter. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass Bertha zu ihrer Schwester nach Büsum gezogen wäre. Niemand kam auf die Idee, dies in die Tat umzusetzen, am allerwenigsten Wilhelm selbst, auch als Friedrichs Geschäftspartner in Glückstadt Wilhelm vorschlug, doch dorthin zu ziehen, ca. 50 Kilometer entfernt, er habe sogar eine Arbeit für ihn. In Glückstadt hätte er vielleicht sein Glück gefunden, eine wunderschöne Stadt, weit genug entfernt von seiner Vergangenheit und seiner alten Mutter.

GLÜCKSTADT

Das Leiden der beiden setzte sich fort, bis Bertha einige Jahre später an einem Schlaganfall starb. Auf ihrer Beerdigung führten Wilhelm und seine Tochter, die inzwischen 20 Jahre alt war, den Trauerzug an. Wilhelm weinte die ganze Zeit fürchterlich und seine Tochter hielt ihm die Hand. Die Wohnung, in der er bisher mit seinen Eltern gewohnt hatte, wurde ihm gekündigt, er verkaufte den kompletten Hausstand und wohnte künftig zur Untermiete in Zimmern oder Dachkammern bei Bauern der Umgebung oder in der nahen Kleinstadt bei Bekannten.

70er Jahre
Wilhelms Tochter war inzwischen Studentin und hielt den Kontakt zu ihrem Vater aufrecht. Er gab sich Mühe, schaffte es, an Besuchstagen trocken zu bleiben, und die beiden redeten dann ein paar Stunden miteinander. Sie versuchte immer wieder ihm zu entlocken, was ihm im Krieg widerfahren war, weil sie sich intuitiv sicher war, dass seine Kriegserlebnisse ihn traumatisiert und seelisch zerstört hatten und die Ursache waren für seinen Alkoholismus und die Unfähigkeit nach dem Krieg im Wirtschaftswunder ein „normales“ Leben mit Ehe, Familie und Kindern zu führen, geschweige denn ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften.

Über den Krieg erzählte er ihr einige wenige Details von Orten in Russland. Gegen Ende des Krieges seien er und seine Kameraden erschüttert darüber gewesen, dass deutsche Jungen, noch Kinder,  kaum älter als 16 Jahre, noch als Kanonenfutter in den bereits faktisch verlorenen Krieg geschickt worden waren. Da sei ihm endgültig klar geworden, dass er und seine Kameraden geopfert worden waren für einen „Endsieg“, den es nicht geben würde. Am meisten beeindruckt habe ihn, dass russische Mütter und Großmütter den jungen deutschen Soldaten auf den Lastwagen Brot zugeworfen hatten, als sie in die Gefangenenlager transportiert wurden, obwohl sie selbst kaum etwas zu Essen hatten. Über die schrecklichen Metzeleien wollte er nicht reden, nur soviel, dass er grausame Dinge gesehen habe, zerfetzte Leichen, abgetrennte Geschlechtsteile, verbrannte Dörfer…Er konnte nicht weiterreden, und seine Tochter fragte sich später, welche Grausamkeiten ihr Vater möglicherweise selbst begangen hatte, und dass die Unfähigkeit darüber zu sprechen von der Scham über eigene Verbrechen herrührte. In diesem Verdacht fühlte sie sich 10 Jahre nach Wilhelms Tod 1995 bestärkt, als die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung in Deutschland zu heftigen politischen Auseinandersetzungen führte. Die Ausstellung  hatte damals die Hauptthese, dass die Wehrmacht als Institution quer durch alle Waffengattungen systematisch an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen war.

Seine Tochter fragte ihn bei diesen Treffen auch immer wieder nach seiner Meinung, woran seine Ehe gescheitert sei. Er ließ sich niemals über ihre Mutter aus und ließ nichts auf sie kommen, sie sei eine gute Ehefrau und eine perfekte Hausfrau gewesen. Sie blieb hartnäckig und gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden, bis er einmal zugab – und es war ihm fast unmöglich es auszusprechen – dass er sehr darunter gelitten habe, dass seine Frau in ihrer Ehe „nie zufrieden“ gewesen sei. Einmal habe sie ihm sogar an den Kopf geworfen: „ach, hätte ich doch bloß einen Bauern geheiratet und nicht Dich!“

80er Jahre
Eines Tages, er war schon über 65 Jahre alt, musste er wegen eines festgestellten Lungenkrebses in eine Lungenklink eingewiesen werden, in der ihn seine Tochter einmal besuchte. Er trank inzwischen keinen Alkohol und rauchte nicht mehr, hatte keine Angst und keine Schmerzen. Beide genossen das Zusammensein, ohne über den bevorstehenden Tod zu reden, und fühlten sich so verbunden, wie selten zuvor. Sie schrieb ihm regelmäßig Briefe, sandte ihm Zeitungen und Päckchen zu und kümmerte sich weiter um ihn. Nach dem Klinikaufenthalt wurde Wilhelm vom örtlichen Sozialamt in einem Pflegeheim in der nahen Kleinstadt einquartiert in einem Doppelzimmer, was er sich mit einem bösartigen alten Bauern teilen musste. Dort lagen beide im Bett, es gab keine anderen Möbel im Zimmer. Bei einem Besuch seiner Tochter behauptete der Bettnachbar, der schöne türkis-blau-gestreifte, teure Bademantel, den sie ihrem Vater beim letzten Besuch geschenkt hatte, sei seiner und den habe Wilhelm ihm geklaut. Seine empörte Tochter hatte große Mühe, den Heimleiter davon zu überzeugen, dass dieses nicht der Wahrheit entsprach. Wilhelm berichtete ihr bei diesem Besuch, dass er demnächst eine kleine 1-Zimmer-Wohnung am Pflegeheim zugewiesen bekommen würde und freute sich sehr darauf, aber dazu sollte es nicht mehr kommen.

Der Lungenkrebs war weiter fortgeschritten, als seine Tochter wusste, und so überbrachte ihr der Heimleiter eines Tages 1986 telefonisch die Todesnachricht, Wilhelm sei friedlich gestorben. Sie fuhr sofort hin und nahm seinen Nachlass entgegen. Es war ein blauer Müllsack mit seiner Kleidung und eine mit rotem Samt bezogene Verpackungsschachtel einer Jubiläumsausgabe eines Edelkorns mit goldener Schrift, darin seine Papiere, sein Familienstammbuch, das Scheidungsurteil, eine Haftmitteilung, seine Rentenbescheide, fein säuberlich zusammengeheftete Zahlungsabschnitte von Postanweisungen des gezahlten Unterhalts und einige Briefe, Kinderzeichnungen und Fotos, die ihm seine Tochter im Laufe der vielen Jahre geschickt hatte. Ihr kamen die Tränen, als sie den Nachlass betrachtete, das Wenige, was von einem ganzen Menschenleben übrig geblieben war. Aber sie empfand gerade diese Schachtel auch als bezeichnend für  das ganze Leben ihres Vaters, lächelte in sich hinein und beschloss, ihm wenigstens eine würdevolle Beerdigung auszurichten. Ihr Bruder war bereit, die Hälfte der Kosten zu übernehmen.

Die Bestatterin hatte Wilhelm in der kleinen örtlichen Kapelle aufgebahrt und zurecht gemacht. Er lag blass und geschminkt im Totenhemd im offenen Sarg mit gefalteten Händen unter einer Decke, umgeben von Kerzen und Blumen. Seine Tochter hatte das starke Gefühl, dass seine Seele noch im Raum schwebte und drei Tage lang auf sie gewartet hatte, wagte aber nicht, ihn noch einmal anzufassen. Doch sie traute sich laut genug zu sagen, dass sie ihn immer lieb gehabt habe, obwohl sie wusste, dass die schwarzgekleidete „Krähe“ Bestatterin draußen mit dem Ohr an der Tür lauschte. Als sie die Tür öffnete, hätte die Krähe sich beinah den Kopf gestoßen.

Dann schrieb seine Tochter eine ganze Nacht lang einen Text für den örtlichen Pastor, der die Grabrede halten würde, und beschrieb darin Wilhelms gesamtes schweres Leben, auch sein Scheitern, den Alkohol und das Unglück ließ sie nicht aus. Sie stand bei der Beerdigung am offenen Grab zwischen dem langhaarigen Pastor, den sie vermeintlich für „progressiv“ hielt, und ihrem Bruder gegenüber der Trauergemeinde aus der Kleinstadt, die sie zum Teil noch nie gesehen hatte. Wilhelm hatte tatsächlich Freunde und Bekannte in den Kneipen der Stadt und unter den Bauern gehabt! Der Pastor hielt eine salbungsvolle Rede über einen Psalm aus der Bibel, doch sie wartete vergeblich auf Passagen aus ihrem Text. Nach der Trauerrede zischte sie ihm zu. „Aber Sie haben ja kein Wort aus meinem Text verwendet, was soll das denn?“ Der Pastor entgegnete: „Ach, das wissen ja sowieso alle!“ Was für ein Feigling, dieser Pfaffe! Sie beschloss ihre Grabreden künftig selbst zu halten.

Wilhelms Tochter sorgte dafür, dass er einen kleinen Grabstein aus Feldstein bekam, malte mit Goldbronze regelmäßig die Inschrift nach, pflanzte ein- oder zweimal im Jahr Blumen drum herum und ließ den kleinen Rasen mähen, 30 Jahre lang, bis das Grab von der Friedhofsverwaltung eingeebnet wurde. Bei ihrem letzten Besuch an der Grabstelle ließ sie eine Rose auf den Rasen fallen und sagte „Tschüss Vati!“

Rentnerparadies

Travemünde  ist eines der ältesten Bade-und Kurorte an der Ostsee, nachdem die Bevölkerung Jahrhunderte lang von Fischerei und Seefahrt gelebt hatte. Schon vor 200 Jahren wurde es nach Heiligendamm und Norderney offiziell zum Seebad erklärt, nachdem der Lübecker Geldadel einen Ort für standesgemäße Sommerresidenzen gefunden hatte, die zum Teil bis heute dort stehen. 1824 erfolgte der erste große Ansturm von Passagieren, die den Hafen in der Travemündung auf Dampfschiffen anliefen. Es gab Schiffsverbindungen nach Kopenhagen, Riga und St. Petersburg, die Verbindungen zum Zarenreich brachten einen großen Aufschwung, reiche Russen kamen damals nach Travemünde zur Kur. Die Prominenz ging in die Spielbank, deren Einnahmen anfangs immerhin für soziale Zwecke genutzt wurden.

Das Flair von Geld und Macht der Reichen weht bis heute durch den Ort und hielt mich jahrzehntelang davon ab, hierher ans Meer zu fahren, obwohl er für Hamburger so leicht zu erreichen ist. Der historische Bahnhof liegt fast direkt am Strand, nach gut einer Stunde Fahrt über Lübeck ist man am Meer (mein Bruder meint, genau deshalb sei der Ort besonders bei Rentnern so beliebt). Bis in die 2000er Jahre wurde der Ort von zahlreichen betuchten Rentnern in beigefarbenen Popelinejacken bewohnt und aufgesucht, ein weiterer Grund für meine junge Familie, lieber woanders hinzufahren.

Diese Rentnergeneration ist jetzt allmählich ausgestorben, jüngere Familien und moderne Rentner in jugendlicher Kleidung bevölkern jetzt die Promenaden, das Angebot an Läden, Restaurants und Bistros hat sich dem Geschmack der Großstädter angepasst. Es gibt alles zu konsumieren, von den obligatorischen Fischbrötchen, Eis in allen Varianten, italienischem Essen bis zu Feinschmeckermenues. Die üblichen Klamotten-, Souvenir- und Schmuckläden an der Travemündung laden zum Bummeln ein. Große Fähren nach Skandinavien und ins Baltikum fahren vorbei und wecken Sehnsüchte nach Reisen über die Ostsee.

Ich teilte am gestrigen Wochentag um die Mittagszeit das Fahrradabteil der Regio-Regionalbahn aus Hamburg mit zwei netten Leuten, zu denen man genügend Corona-Abstand mit Masken halten konnte, einer Dame, die sich mit Freundinnen zu einer organisierten Fahrradtour nach Stralsund treffen wollte, und einem jungen Kölner Familienvater, der seinen neu gekauften, gebrauchten Porsche in Travemünde von einem Autohändler abholen wollte. Der Mann sprach ein bewegendes Thema an, den kürzlich aufgedeckten organisierten Kindesmissbrauch in NRW und ob man nicht doch die Todesstrafe wieder einführen sollte. Die Dame und ich sprachen uns dagegen aus, wir wogen Argumente dafür und dagegen gegeneinander ab und kamen zu dem Schluss, dass viel mehr Internetarbeit von der Polizei geleistet werden müsste, um diesen ekelhaften Sumpf auszutrocknen, schwierig wegen der internationalen Vernetzung und der nationalen gesetzlichen Grenzen.

Ich schob mein Fahrrad an den Strand und hatte erst einmal Hunger, die mitgebrachten Brote hob ich mir für später auf. Es wehte ein kräftiger Wind aus Nordwest, gut dass ich meinen Kapuzenmantel dabei hatte. Der Strand war wie leergefegt, fast alle Strandkörbe noch unbesetzt.

Als ich Lust hatte mich zu bewegen, fiel mir die kleine Fähre zum rechten Traveufer nach Priwall wieder ein und ich fuhr mit meinem Fahrrad dorthin. Die Fährfahrt dauert nur wenige Minuten. Der Priwall ist inzwischen auch aufgehübscht worden, sehr schick und modern, nagelneue Apartments und schicke Läden, für meinen Geschmack etwas zu sehr gestylt. Immerhin liegt das historische Schiff noch am selben Platz am Kai und der weite Blick über die Flussmündung zum anderen Ufer ist immer noch sehr reizvoll.

Inzwischen war es Nachmittag geworden und ich versuchte meinen Plan, einen schützenden Strandkorb für den restlichen halben Tag zu mieten, in die Tat umzusetzen. Drei Strandkorbvermieter lehnten dies ab mit dem Argument „wir vermieten nur für ganze Tage“, will heißen für 12,- bis 15,- € für 4 Stunden, das kam für mich nicht in Frage. Ich setzte mich also mit dem Rücken in den Sand auf mein Handtuch und lehnte mich gegen einen verschlossenen Strandkorb. Der Vermieter ließ nicht lange auf sich warten und forderte mich auf, mindestens 3 m 25 Abstand zu seinen Strandkörben zu halten, er würde schließlich von der Vermietung leben. Etwas trotzig, mir aber eine flapsige Bemerkung verkneifend, rückte ich 3 m und 50 cm von seinem Strandkorb ab, legte mich auf mein Handtuch in den Sand und hörte lange dem Rauschen der  Ostseewellen zu.

Dann wurde mir kalt und ich beschloss, mich hinter eine Hecke in den Kurpark auf eine geschwungene Holzbank in den Sonnenschein zu setzen, etwas zu lesen und zu schreiben. Ein lokaler Popsänger sang für ein Publikum von drei Leuten von der Musikbühne im Kurpark hinter mir und gab sich große Mühe, seine selbst geschriebenen Songs so leidenschaftlich wie möglich darzubieten. Sie klangen alle gleich, wie sehnsüchtige Klagen. Zum Glück nicht zu laut, so dass ich sie aushalten konnte.

Gegen Abend war ich reichlich aufgeladen von Wind, Sonne und Meer, als ich mein Fahrrad zum Bahnhof schob, um die Bahn zurück nach Lübeck zu nehmen, die wieder schön leer war. In Lübeck stieg ich aus, um der Altstadt einen kurzen Besuch abzustatten, bis eine Stunde später die nächste Bahn zurück nach Hamburg fahren würde. Das mittelalterliche Holstentor an der Untertrave zur Altstadt hin sieht tatsächlich so aus wie auf den Verpackungen von Lübecker Marzipan, überraschend klein.

An der Untertrave bevölkerten zahlreiche junge Leute die Bänke am Fluss, die Cafés und Restaurants an der Straße. Eine Bank war noch frei und ich konnte meine Brote und meine mitgebrachten Erdbeeren verspeisen und mich in der Abendsonne etwas aufwärmen. Lübeck ist einfach wunderbar, ein komplett erhaltenes Kleinod aus dem Mittelalter, das ich immer mal wieder kurz besuche. Ein schöner Tag, die Impressionen werden eine Weile anhalten, bis zum nächsten Mal.

 

 

Im Taxi

Der Taxifahrer hat eine Maske auf, sein Fahrgast auch. Der Taxifahrer muss niesen. Fahrgast: „Gesundheit!“ Taxifahrer: „Danke, wenn nur diese Sch… Maske nicht immer so kitzeln würde!“ Fahrgast: „Das wundert mich nicht, Sie haben Sie ja auch falsch herum auf, die blaue Seite kommt nach außen, die weiße nach innen.“ Taxifahrer ungläubig: „Aber hier ist doch so eine Naht auf der blauen Seite, das sieht doch aus wie innen.“ Fahrgast: „Ganz bestimmt, die blaue Seite kommt immer nach außen.“ Der Taxifahrer glaubt ihm, nimmt seine Maske ab und setzt sie richtig herum auf.

Dann unterhalten sich die beiden darüber, wie oft man solch eine OP-Maske wechseln sollte, da sie ja schnell durchfeuchte. Der Fahrgast berichtet, dass er neulich einen Bericht im NDR gesehen habe, wo ein Marktbeschicker dem Kamerateam lachend gezeigt habe, dass er jetzt immer Slipeinlagen von seiner Frau hineinlege, die man häufiger wechseln könne, so dass man die eigentliche Maske mehrere Tage lang benutzen könne. Taxifahrer: „Benutzte Slipeinlagen?“ Fahrgast bricht in haltloses Gelächter aus: „Wo denken Sie hin, doch keine gebrauchten!“ Taxifahrer: „Wieso, vielleicht stehen da manche drauf!?“

Saisonbeginn

Morgen beginnt Pfingsten. Das Gästehaus ist zwar ausgebucht, aber nur halb belegt wegen Corona. Die beiden Gastgeber haben alle Hände voll zu tun, die Leute an den Tischen im Frühstücksraum zeitlich festgelegt und in genügend Abstand zueinander zu bedienen, jedem Gast das vorbestellte Frühstück am reservierten Tisch anzurichten, anstatt ein Frühstücksbufffet anzubieten wie sonst. Dennoch sind beide gut gelaunt, man merkt ihnen an, wie die Ungewissheit und der Stress der letzten Wochen von Ihnen abgefallen ist und sie heilfroh darüber sind, wieder Gäste zu empfangen. Denn schließlich haben sie das gesamte Gästehaus renoviert, auch von außen frisch in Weiß und Hellblau gestrichen, und eine Menge Geld investiert. Das entspricht genau meinem Geschmack, ich habe mich lange nicht mehr so wohl gefühlt in einem gemieteten Apartment.

 

Der Strand ist noch leer, ein paar Angler kommen früh und bauen ihr Equipment auf. Ich kann mir einen Strandkorb aussuchen, alle sind noch frei. Gestern habe ich mir die Füße heiß gelaufen, bis sie qualmten, heute werde ich den ganzen Tag im Strandkorb verbringen, lesen, schreiben, essen, dolce fa niente. Die beiden Strandkorbvermieter sind auch hier froh, dass die Saison endlich beginnt, ich bin Mieter Nr. 1 und kann mir einen aussuchen. Die Körbe sind nagelneu und besonders schön, weiß und hellblau. Baden kann man noch nicht, die Ostsee ist noch zu kalt (14° ?), meine Füße halten die Kälte nur ein paar Minuten aus. Aber das macht nichts, Augen, Nase und Ohren bekommen genug Reize. Lerchen und Schwalben tirilieren und schwatzen hoch über dem Strand. Es duftet nach Seetang und Heckenrosen, der Himmel berührt das Meer draußen weit in der Ferne, kein Wunder dass Hellblau- und Blautöne in diesem Jahr meine absoluten Favoriten sind.

Beim Inselbäcker später stehen die Leute genauso Schlange wie in der Großstadt, alle kaufen dort ein. Ich kaufe einen kleinen Vorrat für zuhause, den man einfrieren kann, und auch noch etwas für Pfingsten beim Schlachter nebenan, der immer besonders frisches und wohlschmeckendes Fleisch im Angebot hat. Ich höre wie er zu einer Kundin sagt, das gesamte Rindfleisch stamme von Galloway Rindern von der Insel. Ich überlege, ob ich nicht doch Vegetarierin werden sollte, und kaufe lieber ein kleines Stück Schweinefilet.

   

Es ist noch früh am Mittag, die strahlende Sonne lädt ein,  auch heute noch einen Tag am Strand zu verbringen anstatt in einer Wohnung in der Großstadt. Kurzentschlossen nehme ich nicht den Weg zur Autobahn, sondern biege auf die Bundesstraße 501 ab. In Dahme war ich schon ewig nicht mehr und habe völlig vergessen, wie es dort aussieht. Die Strandpromenade ist leicht zu finden, ein Parkplatz auch, und die Strandkörbe sind auch hier überwiegend unbesetzt. Es gibt an der Promenade alles, was das Urlauberherz begehrt, Fischbrötchen, Klamotten, Eis, Schmuck und Mobiles. Ich bleibe den ganzen Nachmittag.

             

Heute weht ein etwas stärkerer Wind, mit von Sonne geröteter Haut und dem Rauschen der Ostseewellen im Ohr fahre ich abends zufrieden in die Stadt zurück. Pfingsten kann beginnen.